WOMEN IN GERMAN
ANNUAL CABARET 1986
Portland, Oregon
Photos assembled by Susan Cocalis*
*I need help with the details. Please contact me at cocalis@german.umass.edu to contribute to this project.
WiG Newsletter Reviews of the Impromptu Cabaret 1986:
"Das generische buergerliche Trauerspiel: Versuch einer Rezension
Am Samstag Abend, nachdem der Peppermint Frieden ausgebrochen war, zogen sich alle Faktionen in den Gesellschaftsraum zurueck und liessen ein sogenanntes "generisches buergerliches Trauerspiel" ueber sich ergehen, das von den WIG-Kabarett Irregulars erdacht und erspielt wurde. Da bekam frau neben der buergerlichen Unschuld hoechst persoenlich (Susanne Kord) auch den geilen Vater (Bunny Weiss), den braven Braeutigam (Barbara Wright), die mangelnde Mutter (Jeanette Clausen), die nach Rache lechzenden, abgelehnten Bewerber (Julia Wagner), den adligen "valschen" Verfuehrer (Martha Wallach), die hinkende Botin der Tugend (Jan Emerson) und die von Schoenheit triefende aber leider etwas zu viel denkende adlige Maetresse des valschen Verfuehrers (Susan Cocalis) zu sehen. Da ging es bunt zu! Die Unschuld wurde verloren und wieder...wieder...naja, auf jeden Fall wurde am Ende geheiratet und das Stueck ging gluecklich aus. Ende gut, alles gut. Der Tugend wurde es gelohnt und das Laster hatte das Nachsehen. Mindestens hiess es so nach den Auskuenften der Aufrufeuse (Anna Kuhn). Es war allerdings nicht ganz ungefaehrlich, dieses Meisterinnenstueck der deutschen Literatur anzuschauen. Zur aller ungelegensten Zeit flogen Bananen, eingerollte Sockenpaare und alles Erdenkliche gegen den Zuschauerraum, geschweige denn dass unschuldig Zuschauende den unerwuenschten, aufgedraengten, mit knallrotem Lippenstift versehenen Kuessen der adligen Maetresse ausgesetzt waren. Noch hinzu wurde erwartet, ja geradezu verlangt, dass frau zu Zeiten mit einer Totalen Physischen Retorte reagierte. Es war ein erschoepferisches Erlebnis im wahren Sinne des Wortes. Susan Cocalis"
"Wie Sara Lennox wiederholt beteuerte, besteht die Staerke von WIG als Organisation in ihrer Diversitaet. Es folgen also zwei zusaetzliche Rezensionen, bzw. Augenzeuginberichte zum "generischen buergerlichen Trauerspiel", die der Parteilichkeit leider nicht entbehren. Wir bitten die geduldige n und uns bisher freundlich geneigten Leserichinnen, auch noch diese Erzeugnisse einer einerseits noch ungeuebten und andererseits in Verruf geratenen, weil zu spitzen Feder zu verzeihen."
"Mein Ruf ist hin, mein Herz ist schwer, ich find' ihn nimmer, ach, nimmermehr! Klage einer buergerlichen Unschuld"
"Niemals, ach, niemals ward mir solches an der Wiege gesungen! Da ich noch ein unschuldig Maegdelein war, ward mir das Angeboth kundgethan, an einem Erbauerspiele mitzuwirken, das die Allmacht der buergerlichen Lieb' und Tugend, allen hoefischen Laster zum Trutze, der Welt kund und zu wissen thun solle. Aber ach, wie ward ich getaeuschet! Da ich, wohl bauend auf das Versprechen der Spielleitereuse, vermeinete, den lasterlichen Nachstellungen des Adels zum Trutze unbeflekt in die Eh' treten zu koennen, O wie ward mein Vertrauen missbrauchet! Die Spielleitereuse, wohl hoffend, das Stueckelein bei Hofe verfuehren zu duerfen, liess sich ganz und gar verblenden vom Glanze des gleissenden Goldes, das ihr der "valsche Verfuehrer" heimelich zugestecket, und erlaubete ihm, mir das im ernsten Spiele zu rauben, was ich mir bisher treulich fuer den Einzigen hab aufbewahret. O schroecklich Verhaengnuss! Da ich mir von dem mir sonst so wohl gesinneten, anhaengelichen Vater und der in unsrer Schwerenoth mangelnden Mutter keiner Hilf' gewaertig sein konnte, da ich nu das ganze Kapital meiner Tugend hab' unglueckelicherweise vergeudet, musste ich schliesslich an eine hoehere Macht appelieren und das verhaerthete Herz der Spielleitereuse mit den Zaehren der Unschuld erweichen, so dass mir schliesslich doch vergoennet ward, den Schandfleck auf meiner Ehr' auszuloeschen. Trotzdem das Spiel also den glueckelichen Ausgang nahm, der der Lieb' und Treu wohl anstund, muss ich, mich erinnernd des unglueckelichen Vorkommnisses, so ich vermeldet, wie auch eingedenk der obzoenen und lasterlichen Erscheinung und Gesten der adeligen Hur', so mir konkurriert, junge und unschuldige Gemuether vor dem Beschauen obgemeldeten Spieles verwarnen. Die Kordische Susanne im Bade"
"Hoechst entruestete Antwort der adelichen Maetresse auf die Anschuldigungen der nicht mehr so tadellosen Unschuld"
"Wieso ich mich jetzo derart habe herabgelassen, ein so kostbares Zeugniss meiner adelichen Hand in diesem buergerlichen, ja angeblich blaustruempfigen Blatt abdruecken zu lassen, weiss ich nunmehro selbst nicht zu deuten. Nun den, es sei! Da mich die sich keiner hochloeblichen Geburt ruehmen koennende Nebenbuhlerin auf eine so schmaeliche Art und Weise mit ihrem Unschuldsgethue hat verleumdet, sehe ich mich genoethiget, ihr sowie der sich neigenden Leserschaft treulichst Rechenschaft zu geben und meinen hochadelichen Namen von dem ihm hier angethanen Schimpf zu bereinigen. Ja, ich habe menschlich, jugendlich gefehlt, der Graf verfuehrte mich, ich habe es nicht verheimlichet und verborgen, falschen Schein hab ich verschmaehet mit hochadelichen Freimuth. Das Aergste weiss die Welt von mir, und ich kann sagen, ich bin besser als mein Ruf. Wehe dieser Unschuld, wenn die Welt von ihren Tathen einst den Tugendmantel ziehet, womit sie gleissend die wilde Glut verstohlner Lueste hat gedecket! Was sie ist, das wage sie zu scheinen! Was treibet denn so eine vermeintliche Unschuld so spaeth abends ohne alle anstaendliche Begleithung auf der Strasse. Wieso mangelt die vermeintliche Mutter? Ja, hat sie denn nichts Besseres zu thun, als schon versprochene Maenner anzusprechen? Es sei. Es ist nunmehro geschehen und es geschiehet ihr recht. Ich habe mein Zuckerlaemmchen zuruecke und sie hat das Nachsehen. Die, die hat ungekauet nach Hause gehen wollen, kann noch lange daran kauen, waehrend mir die hoechste Wonne eines Frauenzimmers zutheil wird, Sklavin eines Mannes zu seyn, den ich liebe! Susanne Emilie Johanne Regina von Cocalis"
"Late Arrival: Portland Play Review Hot Off the Press!
The following was found next to the car in which a man was seen sleeping after the performance of the Cabaret:
Das generische Drama am Pazifik
Dem bundesdeutschen Kritiker bot die Portland Auffuehrung des Stuecks: "Die gebrochene Ehre oder der aufhaltsame Aufstieg der Banane" einige Ueberraschungen: eine deutschsprachige Theaterauffuehrung findet an der Westkueste der Vereinigten Staaten in einem Franziskanerinnenkloster statt. Die Priemiere eines Stuecks, verfasst und aufgefuehrt von dem Autorinnen- und Schauspielerinnenkollektiv CoWaClauReiWei, ein Akronym, das scheinbar aus den Anfangssilben der Namen der aelteren Mitglieder der sich egalitaer gebenden WIGs besteht. Blaustruempfe werden hier zu Peruecken in einem Stueck ohne Text, physisch ueberliefert! "Die gebrochene Ehre" hatte ein sehr anspruchsvolles Ziel, es wollte ein allgemein gueltiges Drama, ein "generisches Trauerspiel" darstellen, konnte dieses Ziel aber, trotz der Gemeinheit der einzelnen Charaktere, nicht ganz erreichen. Es war offensichtlich, dass das Stueck aus dem achtzehnten Jahrhundert schoepfte, um nicht zu sagen, darin steckenblieb. Daran konnten auch moderne Variationen nichts aendern, wie die selbstbewusste adelige Maitresse--souveraen dargestellt von Frau Cocalis in gelbem (die Farbe des Neids) Abendkleid--oder wie die ueberlebende Unschuld, nach der allzu offensichtlichen Verfuehrung und ihre Verheiratung--(eine sehr amerikanische Loesung!). Hinzu kamen der kurzsichtige, jedoch adelige Verfuehrer mit wilhelminisch geschwungenem Schnurrbart, der die Unschuld ohne Brille nicht finden konnte, und die aeusserst schlanke, nach Fitness Training aussehende, nicht mangelnde, sondern staubwischende Mutter. Was aber das Erscheinen der realistisch hinkenden "alten Dame" (als dea ex machina) mit ihrem Ruf: "Ist hier Gullen?", oder das Lied der mangelnden Mutter: "Das Fruehjahr kommt/ Wach auf, du Christ!"--oder gar das Kaugummi, das der Unschuld (in Anlehnung an den Film Peppermint Frieden) angeboten wurde, in diesem Stueck bedeuten sollten, das weiss der Teufel, der in diesem Stueck von Famulam Wagner dargestellt wurde. Der Titel, dessen erster Teil an Schloendorff/Trottas Katharina Blum und dessen zweiter Teil an Brecht's Arturo Ui erinnert, erklaert die verhaengnisvolle "Banane" nicht. Ob das ein verschluesselter Hinweis auf die Interpretation der deutschen Familie als Bananenrepublik sei? Auf jeden Fall waren die Bananen, ebenso wie das Kaugummi, ein bei dem amerikanischen Publikum sehr beliebtes Element. Beliebt war auch das sehr amerikanische "Happy End" und das Publikum ging bei der Diskussion gar nicht weiter auf die Enthuellungen ein, dass das Ganze mit Hilfe eines Glases Limonade--statt der Milliarden der alten Dame--auch tragisch haette ausgehen koennen. Das Stueck hielt zwar nicht das ein, was es versprochen hatte an Allgemeingueltigkeit--trotz der sehr attraktiven, ja kuehnen Ansagerin--, ist jedoch ein wertvoller Beitrag zu der ohnehin aeusserst spaerlichen deutschen Komoedie--ob gewollt oder unfreiwillig, sei dahingestellt. Martin Allonymous Wasch"
![]() |
![]() |
|---|---|
Planning the Cabaret. Susanne Kord, Susan Cocalis, Jeanette Clausen |
Die mangelnde, bzw. staubwischende Mutter. J. Clausen |
![]() |
![]() |
Die Unschuld. Susanne Kord |
Der Vater. Bunny Weiss |
![]() |
|
Die Unschuld und der buergerliche Bewerber. S. Kord & B. Wright |
Die adlige Verfuehrerin. Susan Cocalis (rollover) |
![]() |
![]() |
Die Unschuld & Der adlige Verfuehrer. S. Kord & Martha Wallach |
The wicked deed is done. J. Clausen & S. Kord |
![]() |
![]() |
Das adlige Paar. Susan Cocalis & Martha Wallach |
Der adlige Verfuehrer & der Braeutigam. M Wallach & Julia Wagner |
![]() |
![]() |
At Court. S. Cocalis, M. Wallach, B. Wright |
Besuch der alten Dame. Jan Emerson |
![]() |
|
Ende gut, alles gut. S. Kord, J. Wagner, B. Weiss |
|