Wie Kränkung oft aus Liebesquellen spring'
Und bittrer Haß aus einem kleinen Ding,
Wird--und der Sang sei Caryl zugedacht--
Euch durch Belinda hier vors Aug' gebracht.
Schlecht ist der Stoff; doch groß, mein Ruhm, wirst du,
Nickt Er mir freundlich und bläst Sie mir zu.
Wie war es möglich, Muse, sag mir's schnell:
Ein Lord verging sich gegen eine Belle?
Und--noch ein Rätsel, spottend jedes Worts:
Die Belle verschmäht den Antrag eines Lords?
Der Menschenzwerge Mut, ist er so kühn,
Und kann so wild ein zarter Busen glühn?
Durch weißen Mull traf scheu ein Sonnenstrahl
Das Auge, das sein leuchtender Rival.
's war um die Zeit--recht weit nach Mitternacht,
Wo selbst der Schlummerloseste erwacht;
Der faule Schoßhund reckt sich auf dem Flur,
Und silbern repetiert die Taschenuhr.
Belinda schlummert fort in weicher Ruh,
Ihr Wächter-Sylphe weht ihr Träume
zu. The Dream
(Beardsley)
Er hat ihr auch den Morgentraum
geschickt,
Der jetzt sich leis ihr übers Lager
bückt: The Dream (Du
Guernier)
Ein Jüngling, schöner als dein schönster
Flirt,
Der selbst im Traum, Belinda, dich
verwirrt, The Dream
(Fuseli)
Er hielt ans Ohr
dir seinen Rosenmund
Und gab dir--scheinbar oder wirklich?--kund:
O Schönste du, die um sich her beruft
Die tausend leichten Wächter in der Luft,
Wenn je ein Traumbild deinen Geist genährt,
Von dem, was Amm' und Priester dich gelehrt,
Von zarter Elfen mondbeglänztem Reihn,
Von blauer Blume und verwunschnem Hain,
Von Engeln, die bei Jungfrau einst zu Gast
Mit Himmelsblust und goldener Kronen Glast,
Hör mich und glaub! Erkenne, wer du seist,
Und hefte nicht an neidren Staub den Geist.
's gibt Dinge, die--dem stolzen Sinn versteckt--
Nur Jungfraun werden, Kindern nur entdeckt.
Was tut's, wenn zweifelnd uns der Witz verlacht?
Schönheit und Unschuld glauben unsrer Macht.
So wiss' unzählige Geister um dich her,
Leichte Miliz in niedrer Lüfte Meer,
Sie nehmen ungesehen bei Tag und Nacht
Zu Haus, im Freien, lautlos dich in acht.
Denk, welch ein Hofstaat dir in Lüften ward,
Wenn hier vielleicht ein Page deiner harrt.
Wir waren einst vor langer Zeit zu schaun
So hold wie du im Körper schöner Fraun.
Dann führte sanft der Übergang der Gruft
Uns von der Erde in das Reich der Luft.
Denk nicht, mit ihrem letzen Seufzer schon
Sei alle Eitelkeit der Frau entflohn.
Sie freut sich noch an voriger Torheit Bild
Und blickt in Karten, die sie nicht mehr spielt.
Vergoldete Karossen, L'hombre, Sport,
Die hier ihr Herz entzückt, entzücken's dort,
Wenn sich der Schönheit stolzer Geist, entseelt,
Aufs neue mit dem Element vermählt.
Es steigt der bösen Sieben trotziger Mut
Als Salamander auf in Flammenglut.
Die schmachtend Süßen schlürfen ewigen Tee
Mit Nymphen-Scharen im Bereich der See.
Zum Gnomen schrumpft die strenge Prüde ein,
Da kann sie weiter Unheilstift'rin sein.
Kokette wandelt sich zum Sylphen gleich
Und spielt und flattert in der Lüfte Reich.
Noch eins: Kommt spröde Keuschheit nie zu Fall,
Ist's, weil ein Sylphe heimlich ihr Gemahl.
Nimmt doch ein Geist, den keine Fessel hält,
Geschlecht und Form an, wie es ihm gefällt.
Was wahrt beim Maskenfest, bei Hof, beim Tanz
Der hingeschmolzenen Jungfrau ihren Kranz
Vorm listigen Freunde, vorm verwegenen Geck,
Vorm offenen Blick, vorm Flüstern im Versteck,
Wenn euch Musik erweicht, der Tanz erhitzt,
Und hold Gelegenheit im Dunkeln sitzt?
's ist nur ihr Sylph', die Geister wissen's wohl,
Was doch der Welt als Tugend gelten soll.
Nun gibt es Nymphen, allzu selbstbewußt,
Vorausbestimmt für schnöder Gnomen Lust.
Die füllen sie mit Stolz und eitler Sucht,
Und lehren sie Verachtung, Liebesflucht,
Und zaubern ihnen in ihr leeres Hirn
Von Titeln, Rang ein ganzes Schweifgestirn,
Gekrönter Häupter den erlauchten Chor;
Und "Euer Gnaden" wispert's in ihr Ohr.
So kommt's, daß, früh im Herzensgrund befleckt,
Sich junge Eitelkeit aufs Äugeln legt.
Künstlich Erröten lernt ein halbes Kind,
Scharfsichtig für die Lust, für Liebe blind.
Oft nennt die Welt euch wankelmütig, Kind,
Führt euch der Sylphe durch ein Labyrinth.
Ihr wißt, wo ihr im Flatterzirkel bliebt
Und alten Tand durch neuen Tand vertreibt.
Welch zarte Nymphe käme nicht zu Fall
Bei Damons Fest, wär nicht Damötens Ball?
Wenn Florio spricht, welch Mädchen hielte stand,
Drückt' ihr nicht Lykas liebevoll die Hand?
So stellen sie vergnügt von Haus zu Haus
Den Spielzeugladen ihres Herzens aus,
Wo Bandelier an Bandelier sich reibt,
Der Beau den Beau, der Groom den Groom vertreibt.
Leichtsinn, so nennt's die Welt; doch ist sie blind
Und weiß nicht, daß es nur die Sylphen sind.
Der Geister, die zu deinem Schutz sich mühn
Und das kristallene Feld der Luft durchziehn,
Bin einer ich--mien Nam' ist Ariel.
In Spiegel deiner Sterne klar und hell
Da sah ich, ach, ein schrecklich Schicksal drohn,
Noch eh die Sonne heut hinabgeflohn.
Gern täte dir dein Sylphe mehr noch kund,
Doch Was? Wie? Wo? verschweig des Himmels Mund.
Drum, fromme Maid, hör meine Warnung an:
Scheu' alles heut, am meisten scheu' den Mann!
Er sprach's, als Shock, dem's allgemach zu hell,
Dich aus den Träumen scheuchte mit Gebell.
Da--spricht man wahr--Belinda, blickest du
Zuerst, erwachend, auf ein Billetdoux.
Von Wunden, Reizen, Flammen las man kaum;
Und aus dem Hirn entschwand der Morgentraum.
Entschleiert nun die Toilette steht,
Geordnet glänzt das silberne Gerät.
In Weiß verhüllt seht ihr die Schöne nahn,
Um der Kosmetik Weihen zu empfahn.
Der Spiegel zeigt ein himmlisches Gesicht,
Sie neigt sich zu ihm und betrachtet's dicht.
Die niedre Priest'rin, seitlich vom Altar
Nimmt ihres Diensts mit Furcht und Zittern wahr.
Unzählige Schätze öffnen sich zugleich
Die Spenden, dargebracht von jedem Reich.
Die weiß sie für die Göttin auszuspähn
Und schmückt sie mit den glitzernden Trophän.
Hier schimmert Hindostans Juwelenshein;
Und ganz Arabien haucht aus jenem Schrein.
Schildkröte hier und Elefant erschient
Als Kamm, das Bunte mit dem Weiß vereint.
Dort Nadeln, reihweis und, vereint in Ruh,
Puffs, Puder, Pflaster, Bibeln, Billetdoux.
Nun tritt die Schönheit furchtbar auf den Plan,
Legt, immer wachsend, alle Waffen an,
Erweckt ihr Lächeln neu im Strahl des Lichts,
Ruft alle Wunder ihres Angesichts,
Daß Grad um Grad ein frischeres Rot erblüht
Und immer heller ihre Wimper sprüht.
Die Sylphen, eifrig, nehmen ihrer wahr,
Der glättet ihr die Stirne, der das Haar,
Den Ärmel der, den Rock, der sich verschob,
Und Betty erntet unverdientes Lob.