Nah jenen Wiesen, immer hold beblümt,
Wo sich die Themse ihrer Türme rühmt,
Steht ein Gebäude, aller Welt bekannt,
Das sich nach Hamptons Nachbarschaft genannt.
Dort ahnt der Staatsmann oft den Fall voraus
Von fremden Menschen und von Fraun zu Haus.
Dort, große Anna, Herrscherin der See,
Nimmst du zuweilen Rat, zuweilen Tee.
Sieh her, vier Könige, würdig, ernst, bejahrt,
Mit ungeheurem Kinn- und Backenbart,
Vier Königinnen in holdseliger Pracht,
Mit Blumen, Zeichen ihrer sanfteren Macht,
Vier Buben im gegürteten Gewand,
Kapp' auf dem Haupt, Hellbarden in der Hand,
Und Truppen, farbig bunt und reich gesellt,
Ziehn aus zu kämpfen auf dem samtenen Feld.
Die Karten überfliegt Belindas Blick:
Pique soll heute Trumpf sein. Also Trumpf ward Pique.
Nun rückt ins Schlachtfeld mancher Matador,
Schwarz von Gesicht, ein königlicher Mohr.
Spadillio erst, der unbesiegte Held,
Nimmt alles mit sich, was an Trümpfen fällt.
Manillio dann, von gleichem Stolz entflammt,
Verläßt an Beute reich das Feld von Samt.
Ihm folgte Basto und empfand es hart,
Als ihm nur noch ein Trumpf zur Beute ward.
Mit breitem Säbel, ein bejahrter Held,
Rückt nun höchstselbst Pique-König in das Feld,
Setzt vor ein Bein von Heldenmut erfüllt,
Das andre bleibt vom Purpurkleid umhüllt.
Sein Bube, der sich gegen ihn empört,
Erliegt dem Königszorn, wie sich's gehört.
Großmächt'ger Pam selbst, Held der Helden du,
Glorreicher Sieger in dem Kampf des Lu,
Du fällst--o launig wechselndes Geschick!--
Wie ein Gemeiner vor dem Sieger Pique.
Gar manche Beute zählt Belinda schon;
Jetzt aber neigt das Glück sich dem Baron.
Die kriegerische Königin des Pique,
Die Amazone bringt es ihm zurück.--
Treff-König fällt ihr gleich zum Opfer hin,
Trotz frechem Antlitz und trotz stolzem Sinn.
Was hilft ihm nun der Gleider plumpe Kraft,
Und was die Schleppe, faltenreich gerafft,
Der Krone Schmuck, die schwer das Haupt ihm ziert,
Und was der Apfel, den allein er führt?
Doch der Baron kommt nun mit den Carreaux,
--Ihr König zeigt das halbe Antlitz bloß;
Doch seine Königin, mit ihm vereint,
Bewältigt leicht den schon geschwächten Feind.
Treff, Carreau, Coeur, geschlagen, Mann für Mann,
Bedecken haufenweis den grünen Plan.
So ist's, wenn Asiens bunte Kompagnien
Zugleich mit schwarzen Afrikanern fliehn,
Verschiedener Farbe und verschiedenen Kleids,
Doch gleicher Wirrsal alle, gleichen Leids.
In Hauf auf Haufen stürzt der wüste Schwall,
Ein einzig Schicksal brachte sie zu Fall.
Der Carreau-Bube mit verschlagenem Sinn
Gewinnt (o Schande!) die Coeur-Königin.
Nun flieht die Röte von Belindas Wang'.
Und Blässe deckt ihr Antlitz trüb und bang.
Sie sieht sich schon--und zittert, es zu schaun--
Ganz ruiniert und in Kodillens Klaun!
Und nun (wie oft in Staaten, die bedrängt)
An einem Zug ihr ganzes Schicksal hängt:
Mann wirft Coeur-As. Versteckt in ihrer Hand
Beweint Coeur-König seiner Gattin Schand!
Nun springt er vor voll Rachbegier und Haß
Und fällt wie Donner aufs verlor'ne As.
Sieg! ruft die Nymphe, Sieg! Ihr Jubel schallt
Und füllt mit Echos Zimmer, Fluß und Wald.
O, arme Sterbliche, dem Schicksal blind,
Bald groß, bald klein, und wechselnd wie der Wind!
Wie bald erfolgt auf diesen Sieg der Schlag;
Und Fluch für immer fällt auf diesen Tag.
Sieh her! Ein Teebrett wird alsbald serviert,
Die Kaffeemühle kracht, die Tasse klirrt;
In Silberlampen brennt auf dem Altar
Von Japanlack die geistige Flamme klar.
Aus Silberschnauzen nimmt der Trank den Lauf,
Und Chinas irdene Ware nimmt ihn auf.
Geruch, Geschmack tun beide sich genug;
Und manche Tasse leert man Zug auf Zug.
Dicht um die Schöne schwirrt das Volk der Luft
Und fächelt lind des Trankes heißen Duft,
Schwebt über ihrem Schoße dienstbereit,
Bewußt und zitternd um das teure Kleid.
Kaffee (der Zaubertrank der Politik
--er macht euch sehend mit geschlossenem Blick)
Steigt dem Baron ins Hirn und macht ihm klar,
Wie er gewinne das ersehnte Haar.
Halt, Jüngling, halt! Eh es zu spät, zurück!
Und fürchte Scyllas trauriges Geschick.
Sie ward ein Vogel, die ein Mädchen war,
Und büßt für des verletzten Nisus Haar.
Doch wenn der Mensch zum Bösen sich gewandt,
Wie schnell ist ihm ein Instrument zur Hand!
Zog nicht Clarissa just mit Lächeln ein
Zweischneidig Werkzeug aus dem Lederschrein?
So wappnet eine Dame ihren Knecht,
Reicht ihm den Speer und schmückt ihn zum Gefecht.
Er nimmt es dankbar an. Die Schere blitzt,
Die schon auf seinen Fingerspitzen sitzt.
Er öffnet sie. Belinda schlürfte grad
Die braune Flut, als er von hinten naht.
Gleich auf die Locke stürzt die Geisterschar
Und bläst nach vorn mit Flügelschlag das Haar.
Dreimal hat's ihr am Ohr gezwickt, dreimal
Sieht sie sich um; und dreimal naht der Stahl.
Grad in dem Augenblick forscht Ariel, ach,
Dem tiefsten Abgrund ihres Herzens nach.
Er saß im Blumenstrauß vor ihrer Brust
Und sah, wes sie sich selber kaum bewußt:
Er Erdensohn, trotz aller ihrer Kunst,
Schlich ihr ins Herze als Objekt der Gunst.
Bestürzt, verwirrt, erkannt' er sein Geschick
Und zog mit Seufzern, machtlos sich zurück.
Die Schere öffnet ihre Klingen weit,
Bis sie die Locke fassen, allen beid'. The Rape...(Beardsley)
Selbst da, eh sich die
Schicksalsschere schloß,
Stellt sich ein armer Sylph dem Angriff
bloß. The Rape...(du
Guernier)
Das Fatum drängte, schnitt ihn kurz entzwei;
(Doch luftiger Stoff vereint sich gleich aufs neu).
Die Schneiden treffen sich. Dem schönsten Haupt
Ist nun für ewige Zeit der Schmuck geraubt.
Belindas Auge brennt in Zornesglut,
Die Lüfte geben Echo ihrer Wut.
Kein lauter Schrei'n um Himmels Mitleid wirbt,
Wenn euch ein Gatte oder Schoßhund stirbt,
Nicht wenn ein China-Topf vom Borde fliegt
Und nun zerschellt in bunten Stücken liegt.
Nun hüllt mit Lorbeer mir die Schläfen ein,
(Ruft der Baron) der hohe Preis ist mein!
Solang der Fisch im Wasser sich ernährt,
Die schöne Britin gern mit sechsen fährt,
Solang man Atalantis lesen wird
Und Kissenpracht der Damen Bette ziert,
Solang man feierlich Besuche mache,
Wo jedes Zimmer strahlt in Kerzenpracht,
Solang zum Rendezvous die Schönen gehn,
Bleibt Ehre, Ruhm und Name mir bestehn!--
Was Zeit verschonte, unterliegt dem Stahl,
Wie schwache Menschen kommt der Stein zu Fall.
Was Götter bauten, hat der Stahl zerstört,
Die Mauern Trojas fest, und stark bewehrt.
Stahl stürzt, was du gegründet, Menschenstolz,
Und Marmorbögen fallen hin wie Holz.
Was Wunder, Nymphe, wenn zu deiner Qual
Dein Haar zur Beute ward dem frechen Stahl?